Statement unserer Stadträte zum Antrag eine Straße nach Ferdinand Walther (NSDAP) in Grimma zu benennen

„Ich kann mir vorstellen, dass Menschen, die nach Grimma umziehen möchten, nicht in einer Straße leben wollen, die nach einem bekennenden Nationalsozialisten benannt ist. Vielleicht überlegt sich die ein oder andere Familie dann sogar nochmal, ob sie überhaupt in unsere Stadt zieht. Nachvollziehbar wäre das.“ erklärt der Grimmaer Stadtrat Heiko Mätzold (DIE LINKE) bezüglich des Antrags zur Benennung einer Straße nach Ferdinand Walther, welcher am kommenden Donnerstag im Grimmaer Rat behandelt werden soll. „Die sachlichen Gründe für die Ablehnung liefern die Antragsteller selbst mit. Auf Seite 5, des als Anhang eingereichten Buches steht geschrieben, wie sich die Walther Werke im Zeitverlauf entwickelt haben. Dabei ist festzustellen, dass sich die Mitarbeiterzahl nach Walthers Eintritt in die NSDAP rasch vervierfacht hat. Ebenso angeführt wird, dass er schon sehr frühzeitig auf vielfältige Art und Weise, die NSDAP Ortsgruppe sowohl finanziell als auch ideell unterstützte. Bereits ab 1934 wirkte er als Sachverständiger für Enteignungsfragen aktiv am NS Unrecht mit. Ein einfacher Mitläufer war er also keinesfalls. Außerdem beziehen sich die Antragsteller, in der Begründung ihres Antrages, auf eine Bundestagsdrucksache ihrer Fraktion. Inhaltlich hat diese das Ziel, die deutsche Kolonialgeschichte zu klittern. An mehreren Stellen wird dort z.B. der Völkermord an den Herrero und Nama relativiert. Dass wir in unserem Stadtrat überhaupt auf einer derartigen Grundlage diskutieren, ist schockierend.“

„Finanzierung des Norkus-Denkmals im Stadtwald, Finanzierung des HJ Heims in der Beiersdorfer Straße, Schenkung des ehemaligen Logenhauses in der Schulstraße an die NSDAP Ortsgruppe, zahlreiche Spendensammlungen für NS Aufmärsche und Propaganda etc. Wenn man sich die Liste so anschaut, dürfte es schwer fallen auch nur eine Person zu finden, welche die NSDAP Ortsgruppe Grimma umfangreicher unterstütze als Ferdinand Walther. Falls es in dem Antrag wirklich darum gehen sollte, Grimmaer Unternehmertum zu würdigen, dann gäbe es eine Reihe von unverfänglichen Beispielen an einheimischen Unternehmern, die man in Betracht ziehen könnte. Somit sehen wir in diesem Antrag einen Versuch auf perfide und subtile Art und Weise die unmenschliche NS Diktatur zu normalisieren.“ ergänzt Maximilian Schöpe (DIE LINKE). „Es gab in unserer Gesellschaft mal einen Konsens: dass die NS Diktatur menschenverachtend war und alle Versuche zu unterlassen sind, dieses Gedankengut zu relativieren. Der Stadtrat sollte nicht auf die Spielchen der Antragsteller hereinfallen. Es ist an der Zeit, sich geschlossen und eindeutig von diesem Versuch der Relativierung des NS Unrechtregimes zu distanzieren. Denn eine Stadt wie Grimma, die mit Gezer noch eine Partnerstadt in Israel hat und in der viele Menschen vom Tourismus leben, steht es nicht gut zu Gesicht sich von der AfD ein rechtes Schmuddelimage aufzwingen zu lassen.“ so Schöpe weiter.

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